
| „Don’t mess up with the brown cheese!“Ein erstes Lebenszeichen von mir aus dem Norden
5 Wochen waren das jetzt schon! 5 Wochen voller „wow!“-, „was mach’ ich denn eigentlich hier?“-, und „bitte kein Norwegisch mehr!“- Momenten. Ja, viele spannende und verzweifelte und glückliche und traurige und kalte und lange und kurze Momente. Und wie das schnell vergangen ist (schon wieder Freitag o_O) ! Aber jetzt ein bisschen genauer...
Kurz in der Luft und schon Nordens Boden unter den Füßen
Nach einem tränenreichen (!) und überaus traurigen Abschied einfach mal in mein Flugzeug gestiegen und nach Berlin geflogen, und ich bewunder mich jetzt noch ein bisschen dafür, dass ich nicht einfach zurückgelaufen oder auf einem Drachen direkt wieder heimgeflogen bin. Ein bisschen hätt ich mich danach gefühlt… Ja, ähm, von Berlin dann nach Oslo, genau. Netter Flughafen, ein bisschen Gebrauchsanweisung?
„Der Osloer Flughafen Gardermoen ist sehr schön. Er ist aus einheimischen Materialien wie Granit, Schiefer und Holz erbaut und vermittelt ein Gefühl von Geräumigkeit, Leichtigkeit, rätselhafter Weise aber auch von Verankerung. Man verbinde mit dem Bauwerk „Ruhe“, „Klarheit“, „Übersichtlichkeit“ sowie eine besondere Lichtfülle, schreibt die norwegische Architekturhistorikerin Ingrid Helsing Almaas. Sie findet die Wortwahl „bezeichnend“. Sie beschreibt nicht nur die räumlichen Ideale der Gebäude, sie zeichnet auch ein Bild des idealisierten norwegischen Bürgers: gut organisiert, offen, einfach, dabei voller Vertrauen in die Authentizität lokaler Erfahrungen, vom nördlichen Licht erhellt, von Holz und Stein gestärkt. Mit seiner geschwungenen Laminatholzdecke begrüßt das Terminalgebäude die Welt wie ein betuchter und großzügiger Gastgeber – wohlmeinend, elegant, nach der letzten Mode gekleidet, das beste, was das Land zu bieten, hat.“ ("Gebrauchsanweisung für Norwegen" von Ebba B. Drolshagen)
Ja, nach der letzten Mode gekleidet, das ist mir auch bald einmal aufgefallen. Die NorwegerInnen haben einfach Stil, die ersten Schultage war ich ja nur geblendet von so viel Schönheit. Ich beginne aber, mich in dem Punkt anzupassen (d.h. ich werde gerade auch einfach schön).
Das schmeckt wie… naja… wie….
Ja, Brunost (sprich „Brünust“) und ich werden wohl keine Freunde fürs Leben. Unsere erste Begegnung war, sagen wir mal, speziell. Du hast da ein ganz komisches Gefühl auf der Zunge. So als ob etwas süß wäre, das es einfach nicht sein sollte. Und dann fühlt es sich irgendwie… käsig an. Ein komisches Nationalgericht, aber die NorwegerInnen sind einfach unheimlich stolz darauf, dass sie einen braunen Käse haben, einen ganz eigenen braunen Käse. Mit einem ganz eigenen Geschmack. Und weil das so etwas ganz besonderes und norwegisches ist, muss mensch halt stolz darauf sein. Und Milch trinken wir hier. Ja, das ist was gutes, daran hab ich mich schnell gewöhnen können. Nur Knäckebrot hab ich kaum gegessen, seit ich hier bin. Komischerweise ess ich fast nur das weiche, geschmacksfreie Brot, das mensch hier im Supermarkt in einer großen Maschine gleich beim Einkaufen schneiden kann. Wahrscheinlich wegen ebengenannter praktischer Einrichtung. Da muss ich dann ganz viel Brot essen, damit wir bald wieder eines kaufen müssen und ich die Brotmaschine bedienen kann. Das eigentlich interessante am norwegischen Essen ist aber nicht das Essen selbst, sondern vielmehr die Tradition, wie gegessen wird. Ich rede von dem Matpakke, dem Mittagessen aller NorwegerInnen, von den Kindergartenkindern bis zu ihren Eltern, das ganz unkompliziert von Zuhause mitgenommen wird. Einzelne Brotscheiben mit leverpostei, völlig geschmackfreiem „Norvegia“ – Käse oder anderem. Nicht als Sandwiches verunstaltet, sondern liebevoll mit einem einzelnen Blatt matpapir voneinander getrennt und wahlweise in Metall- oder Plastikboxen transportiert.
Høstdag – Friluftsdag
Etwas wirklich norwegisches und beeindruckendes durfte ich gestern miterleben. Den høstdag (=Herbsttag) unserer Schule. Einen Tag lang einfach ueber Stock und Stein einen Berg hinaufwandern (oder besser: rennen) um dann, oben angekommen, sein matpakke auszupacken oder Würstel zu grillen und die Aussischt zu geniessen. Ja, 200 16jährige, die TATSÄCHLICH die Aussicht GENIESSEN! Richtig richtig urig!
Das waren ein paar Eindrücke aus meinen ersten 5 Wochen. Wirklich nur Auszüge, ich könnte hier gar nicht alles schreiben. Machs gut, genieß die Wärme da unten und, ja, ich meld mich wieder mal. Ha det bra! | |