
| Mein erster Schultag in JapanUm kurz vor 7 Uhr bin ich aufgestanden und mir wurde bewusst, was heute auf mich zukommen wird. Ich zog meine Schuluniform an, habe gefrühstückt und wurde, da heute der erste Schultag ist, von meinem Gastvater (= Otosan )mit dem Auto zur Niihama - Station gebracht.
Von dort an hieß es, dass ich auf mich alleine gestellt war! Mit dem Fahrrad 15 Minuten radln und dann war ich bei der Niihama Nishi Highschool. Um mich herum waren mehrere Schüler, die mich anstarrten. Ich stellte mein Fahrrad ab und ging zu meiner Klasse. Ein Mädchen wusste wer ich bin und zeigte mir meinen Sitzplatz. Von diesem Zeitpunkt an war ich das Highlight aller japanischen Schüler! Es dauerte nicht lange und jeder in meiner Klasse wusste wer ich bin, woher ich komme und was meine Hobbies sind.
Mein erster Lehrer kam in die Klasse, es war der Englisch Sensei (= Lehrer), was für mich günstig war, denn meine Japanischkenntnisse sind begrenzt. Er bat mich, nach vorne zu kommen und mich der ganzen Klasse vorzustellen: Watashi wa Thomas to imasu, Oustouria-jin desu, ju-roku sai desu. (= Mein Name ist Thomas , ich bin Österreicher, 16 Jahre alt).
Mein Sensei fragte mich, was meine Hobbies sind, und da war schon das erste kleine Problem: Wie sage ich auf japanisch „ich mag Musik“??? Ich fragte also meinen Lehrer ob ich Englisch sprechen kann und er nickte, welch ein Glück. "I like music, I play saxophone, daublebass (kontrabass) and I play a little bit Keyboard" war der darauf folgende Satz. Meine Lehrer bedankte sich bei mir, ich mich bei ihm und von der Klasse bekam ich einen Applaus.
Die Unterschiede zwischen japanischen Schulen und unseren Schulen sind gewaltig!!!
Die Schüler dürfen keine Fragen stellen, der Unterricht sieht folgendermaßen aus: Der Lehrer spricht, die Schüler schweigen und schreiben mit. Natürlich gibts auch die, die ab und zu gerne im Unterricht tratschen, allerdings nur sehr selten.
Weiters sind die Einheiten ganz unterschiedlich, nicht so wie bei uns 50 mins eine Einheit, nein: Manchmal 1 1/2 stunden, manchmal 30 mins. Was mir noch sehr fremd war ist die Cleaning-time, wo die Schüler die ganze Klasse sauber machen, die Fahrräder richtig positionieren, ...
Angekommen zur Lunch-time. Alle Jungs der Klasse, insgesamt 7, versammelten sich um mich, um mit mir zu essen, und beobachteten mich aufs Genaueste. Ihnen ist aufgefallen, dass ich blaue Augen habe, ein Wunder für sie, ich hab sie gefragt, ob sie noch nie blaue Augen gesehen haben, ihre Antwort war: Nur im Fernsehen. Was sie noch nicht kannten waren meine hellbraunen Haare, ca. 5 Leute in meiner Klasse haben sie angegriffen =)
Die Sprache Englisch kann zwar jeder, allerdings sind fast alle zu schüchtern, um sie auch zu sprechen, was klar ist, da der Englischunterricht nicht wie bei uns mit sprechen und schreiben stattfindet, sondern nur mit schreiben.
After the school, what to do???
Ein paar Mitschüler fragten mich, ob ich nicht ein Konzert mit anhören möchte, was ich auch tat und ich war zutiefst erstaunt. Es mag schon stimmen, dass Mozart in Österreich geboren wurde, allerdings gibt es in Japan tausende Mozarts! Das Orchester, bestehend aus nur Blasinstrumenten, bestehend aus vielen Mädchen und einem Jungen, war besser als so manches Synfonieorchester Wiens.
Was ich darauf gemacht habe, ist: Ich bat eine Mitschülerin, mit mir zum Musiklehrer zu gehen, welcher der Dirigent ist, um mich in den After School-Blas Band einzuschreiben und dies gelang mir, jeden Montag spiele ich jetzt Saxophon mit vielen Naturtalenten, mal schaun ob ich mithalten kann =)
Der Heimweg, bestehend aus 15 mins Rad fahren, 20 mins Zug fahren und wiederum 15 mins Rad fahren, war ziemlich anstrengend nach so einem Tag, aber ich habe es geschafft und bin froh, bald in mein kniehohes Bett zu springen.
Mit vielen schönen Grüßen
Thomas aus Japan | |