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![]() | Interview mit einer AustauschschülerinDie siebzehnjährige Schülerin Aleksandra Grassl aus Mödling verbrachte im Jahr 2007 ihren Austausch im südafrikanischen Kapstadt. Im folgenden Interview kannst du ihre Eindrücke von dem multikulturellen Land im südlichen Afrika nachlesen. Warum hast du dich für Südafrika entschieden? Südafrika ist für mich einfach etwas ganz anderes als Europa oder die USA, und das wollte ich kennen lernen. Schon seit jeher interessieren mich die vielen verschiedenen Kulturen in Afrika. Und da Südafrika eines der sichersten Länder in Afrika ist, habe ich mich dafür entschieden. Wie wurdest du auf dein Austauschsemester vorbereitet? Die YFU-Vorbereitungstagung hat mir sehr gut gefallen, sie war super! In Südafrika selbst hatten wir etwa eine Woche nach unserer Ankunft noch ein Vorbereitungsseminar, bei dem wir alle unsere Fragen zu unserer neuen Umgebung stellen konnte. Die Seminarleiter machten uns zum Beispiel auf unsere „kulturelle Brille“ aufmerksam: Auch wenn ich jetzt in Südafrika lebe, sehe ich alles durch meine „österreichische Brille“. Mit der Zeit „verfärbt“ sich das Glas meiner „Brille“ durch neue Sichtweisen, aber ganz ablegen werde ich sie nie können. Außerdem bereitete man uns in dem Seminar auf die „gemütlichere“ Mentalität und die Freundlichkeit der Südafrikaner. Hier ist es zum Beispiel ganz normal, dass man von jedem auf der Straße gegrüßt wird. Natürlich würden wir auch auf die Sicherheitslage aufmerksam gemacht, die ja doch anders ist als in Österreich. Wir durften nicht alleine unterwegs sein und mussten unserer Gastfamilie immer sagen, wo wir waren. Letztlich wussten die Familien selbst am besten, welche Gegenden man besser meiden sollte. Wie ging es dir in den ersten Wochen in Südafrika? Die Eingewöhnung war für mich nicht ganz leicht. Die Familie, aber auch so etwas Banales wie die Gerüche, einfach die ganze Umgebung war so anders und fremd für mich. Nach etwa eineinhalb Monaten fühlte ich mich wohl; dann hatte ich auch schon Freunde an der Schule bekommen. Wie war deine Gastfamilie? Meine Gastfamilie lebte in Kapstadt, einer riesengroßen, irrsinnig lebendigen und wunderschön gelegenen Stadt. Meine Gastfamilie, vor allem mein Gastvater, war sehr nett. Mein Gastvater hat sich viel darum gekümmert, dass wir am Wochenende etwas zusammen unternehmen. Meine Gastmutter sprach hauptsächlich Afrikaans und war etwas introvertierter. Zum Ende meines Aufenthalts hatte ich aber auch schon etwas Afrikaans gelernt und konnte es sogar schon verstehen. Viele meiner Freunde sprachen Zulu oder andere afrikanische Sprachen, doch wir unterhielten uns auch Englisch. An welches besondere Erlebnis denkst du gerne zurück? YFU bot uns Austauschschülern optional ein sogenanntes „Township Exchange“ in ein Armenviertel in Limpopo an. Diese Chance habe ich natürlich ergriffen und lebte somit für zwei Wochen bei einer Familie in einem Township und besuchte dort auch die Schule. Die Familie lebte unter einfachsten Bedingungen und sprach Tsonga. Als fast einzige Weiße fielen wir Austauschschüler dort total auf; die Kinder waren ganz neugierig auf uns Europäer und alle wollten Freundschaft mit uns schließen – das war schon ein ganz außergewöhnliches Erlebnis. Interessant war für mich auch die wichtige Rolle der Alten, die absolute Respektpersonen waren und denen nicht widersprochen werden durfte. Ich finde, ich habe in diesen zwei Wochen in Limpopo das Herz von Südafrika kennen gelernt! Wie war die Schule in Südafrika? Ich hatte sowohl Pflichtfächer, wie Englisch, Afrikaans oder Mathematik, als auch Wahlfächer, wie Geschichte oder Naturwissenschaften. Ein interessantes Pflichtfach war die „Life Orientation“ - ein Turnunterricht, in dem auch die Lehre über die Gesellschaft, also von Sexualkunde bis hin zu Menschenrechten alles vermittelt wird, was man braucht um sich im Leben behaupten zu können. Sport ist in Südafrika also ein Pflichtfach, was ich super finde. Man kann unter irrsinnig vielen Sportarten wählen. Auch sonst war meine Schule sehr aktiv und engagiert – es war immer etwas los. Ich fand es sehr positiv, dass man in Südafrika Schuluniformen trägt: Ganz abgesehen davon, dass man sich damit die lange Zeit des Überlegens in der Früh spart, ist die Schuluniform sehr wichtig in diesem Land, in dem es so viele kulturelle, religiöse und ökonomische Unterschiede gibt. Sie verhindert, dass man von vorn herein in eine Schublade gesteckt wird. Was hat dir an Südafrika besonders gefallen? Die Gelassenheit, Offenheit und Zuvorkommenheit der Menschen. Mich fasziniert, dass in Südafrika so viele verschiedene Kulturen und Stämme zusammenleben. Auch die Europäer, deren Vorfahren eingewandert sind, oder die Nachfahren der indischen Sklaven sind zu einem Teil Südafrikas geworden. Südafrika ist außerdem ein irrsinnig schönes und weites Land – man kann stundenlang fahren, ohne einen Menschen zu sehen! Was hat dir weniger gefallen? Die Sicherheitslage ist nicht so wie in Österreich, und die öffentlichen Verkehrsmittel sind nicht so verlässlich. Mir hat die Unabhängigkeit ein wenig gefehlt, da man immer auf das Auto angewiesen ist. Ich konnte zwar ins Stadtzentrum zu Fuß gehen, aber das dauerte dann halt auch immer eine halbe Stunde. Was hast du aus deinem Austausch mitgenommen? Ich habe gelernt, dass man auch mit Ruhe und Gelassenheit viel erreichen kann, und das auf viel angenehmere Weise. Bei meiner Rückkehr nach Österreich ist mir besonders aufgefallen, dass die Leute hier viel verschlossener sind als in Südafrika. Letzlich konnte ich mir meine eigene Meinung über ein afrikanisches Land bilden und habe einen Einblick bekommen, wie die Leute dort so leben. | ||||||||
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