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Belgien "Kissen oder Küssen?"

Juliane Passow war 2001/2002 YFU-Austauschschülerin in Belgien (Flandern)

Als ich 17 war, da hatte ich einen Traum. Ich wollte für ein Jahr in eine vollkommen neue Welt eintauchen. In Erfüllung ging dieser Traum mit der Hilfe von YFU. Austauschschülerin in Belgien, genauer gesagt Flandern – der Niederländisch sprechende Teil vom sogenannten Herzen Europas – sollte meine neue Heimat auf Zeit werden. Am 11. August 2000 ging es dann also für mich los...

Ankunft in “Brussel Noord”
Die Reise in meine neue Heimat war wirklich ungeheuer spannend. Da Belgien ja nicht wirklich weit entfernt liegt, durfte ich die Fahrt mit der Bahn antreten. Meine Zugreise kann man sich wie eine allabendliche Seifenoper im Fernsehen vorstellen: In einem Moment kullerten mir noch die Abschiedstränen über die Wangen, und im nächsten konnten ich es vor lauter Anspannung, meine neue Heimat kennen zu lernen, kaum noch aushalten.

Die erste Nacht in der ”Krommestraat” in Meise
Der Empfang in meiner Gastfamilie war wirklich sehr herzlich. Mein Gastvater Frans, meine Gastmutter Lieve und meine Gastschwester Annelies (damals 22) holten mich vom Bahnhof ab. In meinem neuen Zuhause in Meise – das liegt etwa zehn Kilometer nördlich von Brüssel – wurde erstmal angestoßen und erzählt. Glücklicherweise sind die Flamen wirklich sehr sprachbegabt. Die meisten sprechen fließend Niederländisch, Französisch und Englisch und einige auch noch Deutsch, Italienisch oder Spanisch.

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Trotzdem kam es in dieser ersten Nacht zu einem ersten sprachlichen Missverständnis, über das man wirklich nur schmunzeln kann. Beim Gutenachtsagen fragte mein Gastvater mich nämlich auf Niederländisch “Hoeveel kussen vilt je?” Frans hatte mich nur gefragt, wie viele Kissen ich denn gern haben würde. Da man das ”u” jedoch wie ein ”ü” ausspricht, kam ich ganz schon in Verlegenheit... Wie viele Gutenachtküsse sollte ich mir denn von meinem frischgebackenen Gastvater wünschen???

Die Sprache war wirklich ”geen problem”
Man braucht wirklich keine Angst vor einer völlig neuen Sprache zu haben. Mein Englisch hat mir über die ersten zwei Wochen geholfen, doch spätestens dann habe ich meine ersten Versuche auf Flämisch (der belgische Dialekt vom Niederländischen) gemacht.

Noch nie hab’ ich mich so für die Schule angestrengt
Das belgische Schulsystem ist wirklich nicht mit unserem zu vergleichen. Der Unterricht geht oft bis 16:00 Uhr, die Anforderungen an die Schüler sind sehr hoch und die halbjährlichen Prüfungen in jedem Fach – selbst Sport – geben einem Austauschschüler ganz schön zu schaffen. Natürlich kann man sich als Ausländer auch davon frei stellen lassen. Doch ich wollte mich dieser Herausforderung stellen. Jeden Test, jede Prüfung habe ich mitgeschrieben. Das half mir bei der Integration in die neue Klasse sehr.

Und was kam dabei heraus?
Ein Austauschjahr ist eine groβe Herausforderung in jeder Hinsicht. Ich habe mich selbst viel besser kennen gelernt. Ich bin selbstbewusster geworden und gehe mit Fremden viel offener um.

Meine Neugierde auf neue Kulturen ist noch lange nicht gedeckt. Momentan sitze ich nämlich in Vejle, Dänemark, und beschäftige mich mit meinem neuen Abenteuer – Au-Pair.

Karte Belgien
© Copyright 2012, YFU AUSTRIA