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Kanada "Kanada auf meine Art"

Ronja Dornberg war 2002/2003 YFU-Austauschschülerin in Kanada

Ich erinnere mich noch genau, wie schnell die Zeit vor meinem Austauschjahr vorüber ging. Es war kaum Zeit für eine Abschiedsparty, als ich dann schon im Flugzeug in Richtung Toronto, Kanada saß. Natürlich hatte ich großes Bauchkribbeln, ich kannte meine Gastfamilie noch nicht und wusste nicht, was mich erwartet.

Auf der Farm
Es stellte sich heraus, dass meine Gasteltern eine eher unkonventionelle Gastfamilie waren. Sie sind beide noch jung und haben keine Kinder. Ich, ein Großstadtkind mit zwei Geschwistern, war also plötzlich ein Einzelkind mit vier süßen Katzen und einem wunderbaren Hund in einem großen Farmhaus etwas außerhalb der Kleinstadt Chatham in Ontario, Kanada. Es dauerte eine Weile, bis ich mich daran gewöhnt hatte, aber meine Gasteltern halfen mir viel dabei.

Mein Gastvater Rob war bei einer Farm angestellt und fuhr zeitweise mit dem Truck (LKW) Tomaten zur nächsten Heinz-Ketchup-Fabrik. Meine Gastmutter Sarah machte ein Studium zur Krankenschwester (in Kanada muss man studieren, um Krankenschwester zu werden) und fuhr nebenbei Truck, um sich das Studium zu finanzieren. Ich kam vom ersten Moment an sehr gut mit beiden aus, konnte ihnen alles sagen und das blieb auch für den Rest des Jahres so.

Meine beste Freundin Dayna
Meine Gastmutter war sehr daran interessiert, mir einen guten und leichten Einstieg in das kanadische Leben zu ermöglichen. Deswegen fragte sie auch ein Mädchen, das ein paar Häuser weiter auf unserer Landstraße wohnte, ob sie sich um mich kümmern könnte.

Dayna und ich verstanden uns vom ersten Moment an sehr gut, auch wenn ich mich anfangs erst ans Englisch gewöhnen musste. Aber Freundschaft funktioniert ja bekanntlich auch ohne Worte! Ich war ganz schön dankbar, dass Dayna mir half. Die ersten Schultage wurden viel einfacher durch sie, denn sie führte mich herum, stellte mich den Lehrern vor und ihre Freunde wurden auch bald meine Freunde, die mich mit großem Interesse und Freundlichkeit aufnahmen. Ein glänzender Anfang war gemacht. Danke Dayna!!! Sie ist übrigens immer noch eine meiner besten Freundinnen!

Dance-Company und Cheerleading
Die erste Zeit verlief nicht nur in der Schule gut. Ich machte einen Kanu-Ausflug mit YFU, wo ich andere Austauschschüler kennen lernte und die sagenhaften Nordlichter sah. Ein einmaliges Erlebnis! Mit der Schule fuhr ich nach Stratford, um mir dort King Lear von Shakespeare anzuschauen. Ich trat der Dance-Company und den Cheerleadern der Schule bei und fühlte mich schon sehr bald integriert und gemocht.

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Nach der Schule ging ich einmal in der Woche in eine Tanzschule und lernte auch dort viele nette Mädchen kennen. Nur an meinem Geburtstag im Oktober vermisste ich meine Familie sehr.

Schnee? Schnee!
Die Zeit bis Weihnachten ging rasend schnell um. Das erwartete Heimweh blieb aus, stattdessen gingen wir von einer Familienfeier zur nächsten. Und lasst euch gesagt sein: die Familie meines Gastvaters ist groß! Natürlich lag auch Schnee, es war ein wunderschöner Winter. Einmal hatten wir schneefrei: Die Busse konnten aufgrund des hohen Schnees nicht mehr zur Schule fahren!

Trip im Truck
Natürlich machten wir auch Ausflüge, zum Beispiel nach Windsor und nach Toronto. Aber die Reise, die mir am meisten im Gedächtnis geblieben ist, ist die Truck-Fahrt mit dem besten Freund meiner Gastmutter. Er ist auch Trucker (LKW-Fahrer).

Nach der Einverständniserklärung von meinen leiblichen Eltern und YFU durfte ich mit ihm und seinem Truck während der Frühlingsferien auf eine Tour gehen. Wir fuhren in den USA durch Pennsylvania, Michigan, Illinois, Indiana, North Dakota und waren in Chicago. In Kanada fuhren wir nach Saskatoon, Regina und Winnipeg. Alles ohne Dusche (in zehn Tagen habe ich zweimal geduscht), aber mit spektakulärer Landschaft und interessanten Leuten. Eine tolle Gelegenheit, das Land kennen zu lernen!

Ein anderer wunderbarer Trip war das Hundeschlittenfahren mit YFU. Eisigkalt, sehr anstrengend und ebenfalls ohne Dusche, aber total aufregend und wunderwunderschön!

Überraschungshochzeit
Meine Gasteltern entschieden sich spontan, am Valentinstag zu heiraten. Mein Gastvater holte mich überraschend von der Schule ab, wir fuhren zu den Eltern meiner Gastmutter (ihr Vater ist Pfarrer), und dann heirateten sie im Wohnzimmer in Arbeitskleidung. Ein weiteres Beispiel dafür, dass meine Gasteltern wunderbar verrückt sind!

Time flies…
Und wieder ging die Zeit viel zu schnell vorbei. Ich verbrachte viel Zeit mit meinen Freunden, besuchte unter anderem mit meinem Gastvater die Niagara-Fälle, war im Lion Safari Park (ein Park mit frei lebenden wilden Tieren), fuhr mit Freunden nach Ottawa, Kanadas Hauptstadt, und hatte noch viel Spaß in der Schule.

„Ich werde wiederkommen!“
Und dann war es auch schon wieder soweit. Meine Gasteltern brachten mich zum Flughafen in Toronto. Es fiel mir sehr schwer, mich von meinen Freunden und besonders von meinen Gasteltern zu verabschieden. In dem Jahr sind sie ein Teil meines Lebens geworden, den ich nie vergessen werde. Aber beim Abschied versprach ich, so schnell wie möglich wiederzukommen.

Das habe ich auch wahr gemacht: Schon im nächsten Sommer verbrachte ich meine gesamten Sommerferien bei meinen Gasteltern und mit meinen Freunden! Ich weiß jetzt, dass mich Kanada und seine Menschen nie wieder loslassen werden und ich bin sehr froh darüber! Mein Austauschjahr dort war eines der besten Jahre meines Lebens!!!

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Karte Kanada
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