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Japan "Ein Monat in Japan"

Theodora Korkas war 2005 YFU-Austauschschülerin in Japan.

Da war ich nun. Ich stand vor einem großen Flugzeug in Wien Schwechat und mir wurde nach und nach bewusst, warum. „Ich werde ein Monat in Japan verbringen.“, schoss es mir durch den Kopf, aber wahrhaben konnte ich es ja doch nicht.

Die japanische Regierung verteilte aufgrund des „Japan-Jahres“ einmonatige Stipendien für einen Aufenthalt in Japan an jeweils einen Schüler/eine Schülerin jedes EU-Landes. Ich konnte es nicht fassen, als mir mitgeteilt wurde, dass ich diese Möglichkeit, um Japan besser kennen zu lernen, bekam und möchte mich an dieser Stelle recht herzlich bei der japanischen Regierung und YFU, der Austauschorganisation, die den gesamten Aufenthalt mitorganisiert hat und uns half, sich in einer neuen Welt zurechtzufinden, bedanken. Danke, es war wirklich einmalig!

Am Amsterdamer Flughafen traf ich auf all die anderen EU-Schüler, mit denen ich im nächsten Monat die selbe Erfahrung teilen sollte. Ich war erleichtert zu sehen, dass alle anderen genauso aufgeregt waren und es genauso wenig glauben konnten, dass dieser Traum wahr würde.
Die ersten beiden Tage verbrachten wir gemeinsam in Tokyo, mach und nach kam ich in Kontakt mit der japanischen Kultur und der Bevölkerung, und alles war für mich ein Erlebnis: egal, ob es das erste Mal aus einer original-japanischen Reisschüssel zu essen, war, oder das Erblicken von Frauen, die Yukatas trugen, oder das erste richtig japanische Bad, das ich sah. Zu dieser Zeit besuchten wir auch den Asakusa-Tempel und mir war klar, dass ich das alles niemals vergessen konnte.

Die zwei Tage vergingen schnell, doch nun begann erst das wahre „Abenteuer“: das Leben in einer japanischen Familie. Schon lange hatte ich mir ausgemalt, wie das erste Aufeinandertreffen wohl sein würde, doch ich strahlte wie ein Honigkuchenpferd, als ich meine Gasteltern und meine 14-jährige Gastschwester, drei mir völlig unbekannte Menschen, die ein selbstgemachtes Plakat, auf dem groß â€žWelcome Korkas“ stand, hielten, sah. Das erste interkulturelle Missverständnis - erst später wurde mir klar, dass die Reihenfolge der Namensangabe in Japan ja anders herum war, und ich deswegen erst mit meinem Nachnamen angesprochen wurde.
Bald lebte ich mich in meiner Gastfamilie ein, wenn das auch nicht immer einfach war. Das größte und eigentlich einzige Problem, war die Kommunikation. Ich hatte zwar seit einem Jahr Japanisch als Freifach gewählt, aber meine Kenntnisse beliefen sich nur auf die allernötigsten Dinge. Meine Familie konnte auch nur Bruchstücke Englisch und so fand ich mich vor einem - wie mir am ersten Tag erschien unlösbaren - Problem wieder. Aber schneller als ich dachte, legten sich die Kommunikationsschwierigkeiten, meine Gastfamilie gab ihr Bestes um mir Dinge auf Englisch erklären zu können und ich versuchte mein Japanisch zu verbessern. Wir waren erfolgreich, denn bald konnten wir uns gut unterhalten, auch wenn ich mir sicher bin, dass mein Japanisch für meinen Otosan, meine Okasan und meine Imoto nicht immer verständlich war. Wir hatten sozusagen unsere eigene Sprache entwickelt: eine Mischung aus Japanisch, Englisch und viel Körpersprache.

Meine Gastfamilie wuchs mir wirklich ans Herz, sie ließen nichts unversucht, mir die japanische Kultur näher zu bringen. Sie besuchten mit mir ein Summer Festival – selten fühlte ich mich so japanisch, wie in meinem Yukata, mit dem ich den „mikoshi“ bewunderte. Tag für Tag überraschte mich meine Okasan mit neuen japanischen Köstlichkeiten, ob Tempura, Okonomiyaki, Sashimi, Sukiyaki, Sushi oder Takoyaki – es war alles einfach köstlich – oishii - und wir besuchten Sehenswürdigkeiten wie das Himeji-Schloss und das Osaka-Schloss.

Eine Woche lang hatte ich auch die Möglichkeit die Senior High School zu besuchen – der wohl beste Weg Jugendliche in meinem Alter kennen zu lernen und Freundschaften zu schließen.
Ich wurde mit offenen Händen empfangen und gleich als erstes musste ich das Klischee, dass japanische Schüler unter so extremen Leistungsdruck stehen, sodass sie beinahe keine Zeit zum „Aufwachsen“ haben, ausbessern. Soviel soziales Leben, wie es in dieser japanischen Schule gab – davon können österreichische nur träumen. Ich war fasziniert von den sogenannten „Homeroom-lessons“, in denen die Klasse Zeit für sich hatte, und der Vielzahl an Klubs, die angeboten wurden. Obwohl ich nur eine Woche Schülerin der Suisho S.H.S war, konnte ich am Teezeremonie- Klub teilnehmen, zu einem Baseballspiel des Schulteams mitfahren und „Schlachtgesänge“ mitrufen (auch wenn ich nur sehr wenig von Baseball verstand, aber mir wurde hilfsbereit alles erklärt) und natürlich am Unterricht teilnehmen. Zuvorkommend hatte man für mich sogar einen extra Stundenplan errichtet, damit ich möglichst viele Englischstunden besuchen konnte und öfters erzählte ich von Österreich, den Bräuchen, der Lebensart und (was die Schüler logischerweise am meisten interessierte) über das „Jungsein“ in diesem Land. Ich fand viele Freunde, mit denen ich oft etwas unternahm (ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich Purikura gemacht habe ) und die ich hier, zurück in Österreich, vermisse – auch wenn wir uns Mails und Briefe schreiben, sich zu sehen und miteinander zu sprechen, ist doch etwas ganz was anderes – ein Grund mehr für mich bald wiedereinmal „vorbeizuschauen“.

Bald war die Zeit „bye“ zu sagen gekommen und das war alles andere als einfach. Ich wollte doch noch so gerne länger bleiben. Der Gedanke die EU-SchülerInnen wiederzusehen und mit ihnen gemeinsam eine Rundreise nach Hiroshima, Miyajima, Kyoto und Nara, erleichterte mir die Trennung ein wenig und es wurden wirklich unglaubliche Abschlusstage – Miyajima und der Itsukushima Schrein wurden meine Favoriten (ich fotografierte den Schrein, bei jeder Tageszeit und somit veränderten Wasserhöhe – ich war „hin und weg“).

Da war ich nun. Ich stand vor einem großen Flugzeug am Narita Airport und mir wurde nach und nach bewusst, warum. „Ich fahre wieder nach Hause“, schoss es mir durch den Kopf, aber wahrhaben konnte ich es ja doch nicht.
Ich saß im gleichen Flugzeug mit der gleichen Gruppe, wie vor genau einem Monat – und doch, es hatte sich etwas verändert: ich. Mit viel mehr Erinnerungen, Erkenntnissen und Erfahrungen im Gepäck flog ich nach Hause und eines weiß ich – Japan, du wirst mich nicht so schnell wieder los!

Karte Japan
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