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USA "Eindrücke aus meinem Austauschjahr"

Andrea Weber war 2000/2001 YFU-Austauschschülerin in den USA.

Mit einem etwas mulmigen Gefühl stieg ich in Orlando, Florida aus dem Flugzeug, um meine neue Familie zu treffen. Doch dieses Gefühl verwandelte sich in Freude auf das bevorstehende Jahr, als ich von meiner zwei Jahre jüngeren Gastschwester begrüsst wurde. Sie hatte sich schon immer eine Schwester gewünscht und konnte es kaum erwarten, mir “alles“ zu zeigen. Sie hatte einen Zwillingsbruder und einen Bruder in meinem Alter, welche sich vor allem darauf freuten, in Zukunft zwei Schwestern ärgern zu können.

Fischen
Schon nach kürzester Zeit fühlte ich mich als Mitglied der Familie. Etwas länger dauerte es, bis ich mich mit dem grössten Hobby meiner Familie, dem Fischen, angefreundet hatte. Denn ich mochte Fisch nicht, und konnte mir schon gar nicht vorstellen, einen aus dem Wasser zu ziehen. Umso grösser war der Stolz meines Gastvaters, als ich den ersten Fisch fing, und ich mich sogar bereit erklärte, beim Zubereiten zu helfen und auch davon zu essen. Auch für mich war das ein ganz besonderer Moment, denn ich fühlte mich durch den Stolz meines Vaters definitiv als eigene Tochter akzeptiert.

Haushaltsführung und Band
In der Vero Beach High School hatte ich mich bald eingelebt. Den 2500 SchülerInnen wurde ein riesiges Fächer- und Freizeitangebot geboten, wovon ich in ganz verschiedenen Bereichen profitieren konnte, wie zum Beispiel im Sport oder in “exotischen“ Fächern wie Haushaltsführung.

Neben meinen akademischen Fächern belegte ich Band, was bedeutete, dass ich sechs Stunden in der Woche beim Proben verbringen konnte. Unter den Bandmitgliedern fand ich auch schnell Freunde, mit welchen ich heute noch Kontakt habe. Die Band ermöglichte mir viele Ausflüge zu Konzerten, Musik-Wettbewerben, und als Höhepunkt des Jahres reisten wir in eine benachbarte Universität, um professionelle Aufnahmen zu machen.

Die andere Seite
Ein ganz besonderes Erlebnis meines Jahres war die Freiwilligenarbeit, welche man jedes Semester leisten musste. Ich baute an mehreren Samstagen an einem Haus für eine ärmere Familie. Dabei sah ich nicht nur die Unterschiede in der Bauweise (ohne Fundament und ausschliesslich aus Holz), sondern erhielt auch einen Einblick in das Leben der ärmeren Schicht und lernte somit einen neuen Aspekt meines Gastlandes kennen.

Am meisten Aufsehen erregte ich mit Dingen, die für mich normal waren, wie meine warme Winterjacke oder mein Wunsch, bei 20° Celsius und Sonnenschein auch im Februar baden zu gehen. Durch solche Erlebnisse lernte ich, mich “richtig“ zu verhalten und stellte nach der Hälfte meines Austauschjahres fest, dass ich oft nicht mehr als Ausländerin erkannt wurde.

Karte USA
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