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![]() | USA "Ein unvergessliches Jahr"Svenja Gehring war 2003/2004 YFU-Austauschschülerin in den USA. Ich weiß noch genau, wie ich vor einem Jahr am Flughafen stand und ein YFU-Mitarbeiter mir mein Flugticket überreichte.
![]() Kühlschrank mit Wasserspender Die ersten Wochen waren stressig. Erstmal musste ich alles kennen lernen und ausprobieren: vom Kühlschrank, aus dem automatisch Wasser kam, bis zum Wall-Mart-Shopping. Meine Gastfamilie ist viel mit mir gereist und hat mir die Gegend gezeigt, denn wenn die Schule erst anfängt, ist so etwas relativ schwer. Die Natur in Montana ist einfach überwältigend! Morgens aufzustehen und aus dem Fenster in die Berge schauen zu können war einfach nur toll. Schulbeginn Die Schule begann Anfang September. Ich war vom ersten Tag an ziemlich begeistert. Es ist ganz anders als daheim und gerade deswegen hat es mich so überwältigt. Die Dinge anders sehen zu können und zu akzeptieren ist so oder so das Wichtigste in einem Austauschjahr. Man muss sich auf Sachen einlassen können und lernen, dass es nicht nur eine Welt gibt, so wie wir sie kennen. Erste Konflikte Die Monate vergingen und Weihnachten kam immer näher. Inzwischen waren die ersten Konflikte aufgetaucht und ich fühlte mich oft nicht wohl in meiner Gastfamilie. Es lag nicht nur an ihnen, sondern auch daran, wie ich den Dingen gegenüber eingestellt war. Es ist schwer, das Leben von zu Hause loszulassen, aber man muss einfach sein Bestes geben. Ich habe mich damals lange gefragt, was ich tun sollte. Ich habe es nicht mehr genießen können, bei meiner Familie zu leben. Ein klärendes Gespräch Es musste etwas geschehen, also habe ich mich zusammen mit meiner Gastmutter hingesetzt und wir haben sehr offen miteinander geredet. Ich habe ihr gesagt, was mich stört und was ich glaube, woran es liegt. Das Gespräch hat mich sehr viel Überwindung gekostet, aber es war die Sache wert, denn ein paar ehrliche Worte können sehr viel verändern. Es war ein Schritt weiter und eine Erfahrung mehr. Man muss sich etwas trauen und darf nicht so leicht aufgeben. Die folgenden Monate verliefen besser und ich habe mich gefreut, Weihnachten in den USA verbringen zu können. Es war ein wunderschönes Fest voller Traditionen, die ich genossen und von denen ich gelernt habe. Zwar war es schwer, ein solches Fest ohne meine richtige Familie zu verbringen. Aber man lernt mit der Zeit, mit Heimweh umzugehen. Auch wenn es noch so schwer ist, kann man irgendwann darüber hinwegsehen. Klassenfahrt nach New York City Januar und Februar gingen schnell vorbei. Im März ging es zusammen mit der 12. Klasse meiner High School nach New York City. Das war ein Erlebnis, das ich wahrscheinlich nie vergessen werde. Es war ein unglaublicher Ausflug in das Herz Amerikas und hat mich meinen Mitschülern und Freunden noch ein Stück näher gebracht. Außerdem hat es mich Amerika erleben lassen und ich habe zum ersten Mal richtig verstanden, wieso die Amerikaner ihr Land so lieben. Es gibt einfach gewisse Dinge, die man nur schwer beschreiben kann. Eins davon ist das Gefühl, auf dem Empire State Building zu stehen und weit und breit nur Lichter zu sehen, die in einer so wundervollen Stadt Tag und Nacht leuchten. Die Zeit nach diesem Trip verging unglaublich schnell – viel zu schnell. Besuch von zu Hause Am 28. Mai sollten meine richtigen Eltern kommen, denn sie wollten die Abschlussfeier und Montana mit mir erleben. Meine Gastfamilie hat sich unglaublich auf ihren Besuch gefreut. Obwohl ich auch sehr glücklich war, sie bald alle wieder zu sehen, hatte ich auch ein bisschen Angst. Im Grunde genommen war das Leben in den USA völlig anders als zu Haus, eine ganz andere Welt. Auch wenn man anderen zu Hause davon per E-Mail oder am Telefon erzählt, können sie doch nicht nachvollziehen, wie es wirklich ist. Ich hatte Angst davor, meine Welt nun zeigen zu müssen und ich hatte Angst, dass meine richtige Familie dort einfach nicht reinpasst oder dazu gehört. Als sie letztlich da waren, habe ich mich zwar total gefreut, aber es war auch sehr komisch, auf einmal wieder meine richtigen Eltern und Geschwister da zu haben. Es fiel mir schwer, alles unter einen Hut zu bringen: Gastfamilie und Familie und die Gefühle, die ich beiden gegenüber empfand. Dennoch, die Graduation war toll und ich wünsche mir, dass es das auch bei uns geben würde. Es macht den Schulabschluss zu etwas ganz Besonderem. Als die Ferien dann begonnen hatten, bin ich zusammen mit meiner Familie von daheim durch Montana gereist. Das war wahrscheinlich der beste Weg Abschied zu nehmen, denn ich konnte mir alles noch einmal genau anschauen und genießen. Meine Familie hat mich nach zwei Wochen wieder verlassen, um mir noch etwas Zeit allein zu geben. Ich hätte es auch für falsch gehalten, meine Eltern noch länger da zu haben, denn dann kann man den Abschied gar nicht richtig wahrnehmen, weil man in Gedanken schon viel zu sehr zu Hause ist. Abschied nehmen Die letzten fünf Tage habe ich damit verbracht, ganz in Ruhe mein Zimmer zu räumen und Dinge einzupacken, die ich auf jeden Fall mit nach Hause nehmen wollte. Fotos und andere schöne Erinnerungen an einen wundervollen Lebensabschnitt. Ich habe alle Leute noch einmal wieder gesehen, die mir sehr am Herzen lagen, und habe ihnen gesagt, wie viel sie mir bedeuten. Ich hatte das Gefühl, dass ich nicht einfach gehen kann, ohne zu sagen, was ich fühle – denn man weiß nie, ob es nach der Abreise noch großen Kontakt geben wird. Am letzten Abend habe ich zusammen mit meiner Gastfamilie ein schönes Essen gekocht und wir haben gemeinsam noch einen wundervollen Abend verlebt. Am Morgen vor dem Abflug ging es mir gut und ich habe noch gar nicht verstehen können, dass es jetzt zum Ende geht. Am Flughafen habe ich noch nicht einmal geweint und habe nur schnell Freunden und Familie auf Wiedersehen gesagt. Heute bereue ich, dass ich damals so schnell gegangen bin, denn mir ist nun klar, dass ich ein paar dieser Menschen nie wieder sehen werde. Leider nur stellt man so was immer erst viel zu spät fest… ![]() Der Flug war schön, denn es waren wieder viele Austauschschüler dabei und wir haben viel geredet und gelacht. Erfahrungen wurden ausgetauscht und zum ersten Mal seit zehn Monaten habe ich mich wieder als eine unter vielen gefühlt. Eine unter vielen, die irgendwie genauso sind wie ich, und die genau wissen, was in meinem Kopf gerade geschieht. Menschen, die nachvollziehen können, was ich erlebt habe. Wieder daheim Zu Hause angekommen war ich viel zu verwirrt und kaputt, um zu realisieren, dass ich wieder zurück in der Heimat war. In meinem Haus, meinem Zimmer, bei meinen Sachen. Die darauf folgenden Wochen waren lang und anstrengend, denn es war schwer, meine Erfahrungen mit anderen zu teilen. Sie konnten nicht wirklich verstehen, was es heißt, ein Jahr im Ausland gewesen zu sein. Eine große Bereicherung für mein Leben Alles in einem war das Jahr in den USA vielleicht das schönste, was ich bisher erlebt habe und je erleben werde. Ich habe so unglaublich viel gelernt und so viel erlebt. Ich habe mich selbst gefunden, meine Grenzen erkannt und weiß nun, was es heißt, auf eigenen Beinen zu stehen. Ich habe eine andere Kultur kennen gelernt und festgestellt, wie sehr mich mein Land geprägt hat. Ich weiß nun, was es heißt, stolz auf sein Land zu sein und auch immer das Positive im Negativen zu sehen. Ich habe gelernt, nicht aufzugeben, so schwer es auch manchmal sein kann. Ich weiß nun, wie unglaublich wichtig mir meine Familie und auch meine Freunde sind. Ich habe meine Wertvorstellungen von vorne bis hinten geändert und sehe das Leben aus einem anderen Winkel. Es war einfach ein unvergessliches Jahr und eine große Bereicherung für mein Leben. Etwas, das ich zu jeder Zeit, ohne auch nur ein bisschen zu zögern, immer wieder tun würde. | ![]() | |||||||
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