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![]() | Ungarn „´Küss die Hand` zur Begrüßung"Angelika Eckloff war YFU-Austauschschülerin in Ungarn „Aber warum denn gerade nach Ungarn?“ So lautete die meist gestellte Frage vor und auch nach meinem Austauschjahr. Die Antwort fällt mir nicht leicht, denn es sind viele kleine Gründe gewesen, die mich dazu bewegt haben, ein Austauschjahr in Ungarn zu verbringen.
![]() Temperament, Paprika und Musik Ich malte mir aus, was ich über Ungarn gehört hatte: das Temperament der Ungarn, die Feste und die Gastfreundschaft, die ungarische Ebene mit den Pferde- und Rinderherden, Paprika, Gulasch, Musik, Zigeuner – fast wie aus einem Märchenbuch. Vieles davon habe ich tatsächlich in Ungarn wiederentdeckt, doch in einem viel umfangreicheren, differenzierteren Zusammenhang, als ich es mir vorgestellt hatte. Manches stellte sich mir nach einem Jahr Leben in der ungarischen Kultur anders dar, als es der Kurztourist wahrnehmen kann. Anfangs erschien es mir zum Beispiel als altmodische und unterwürfige Höflichkeitsfloskel, zu einem meiner Lehrer, der nur wenige Jahre älter war als ich, „Küss die Hand“ zur Begrüßung zu sagen. Doch irgendwann hielt ich es für genauso selbstverständlich wie alle anderen, ich fühlte mich wie eine Ungarin. Es war spannend, in eine Kultur nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch einzutauchen, die unendliche Weite der Puszta zu sehen, die sehnsüchtigen und ausdrucksstarken Klänge der Volksmusik zu hören und die gemütliche Lebensweise zu genießen. Eine ganz andere Perspektive Mein Jahr in Ungarn gab mir die Möglichkeit, die Dinge einmal aus einer ganz anderen Perspektive zu sehen. Viele Ungarn haben von uns die Vorstellung: „Das ist das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, so wollen wir auch werden.“ Doch auch die andere Seite der Medaille ist zu hören: „Sowas Eingebildetes und Arrogantes – nur weil sie zufällig reicher sind, glauben sie, sie seien was Besseres.“ Und damit haben sie sicherlich nicht ganz unrecht. Wie oft bin ich daheim gefragt worden: „Was spricht man denn da für eine Sprache?“ ![]() Durch diese andere Perspektive habe ich gemerkt, dass in meinem Kopf eine Grenze war – eine Grenze zwischen „Europa“ und dem Rest des europäischen Kontinents. Jenseits der Oder-Neiße lag ein großer unbekannter Brocken Land, der keine Gestalt annahm – dabei grenzt dieser Brocken an mein eigenes Land, er ist mein Nachbar. Der Einblick in eines der Länder Osteuropas ließ diese Grenze zusammenbrechen wie die Berliner Mauer. Die Länder wurden zu Individuen, die plötzlich begannen, jedes in seinem eigenen Rhythmus zu tanzen. | ![]() | |||||||
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