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![]() | Südafrika „Schneewittchen in Kapstadt"Anna Rebecca Sukkau war 2001/2002 YFU-Austauschschülerin in Südafrika Das wunderschönste Jahr meines Lebens begann damit, dass ich aus dem warmen, sonnigen Bremen gen Süden nach Kapstadt flog, wo wir durch eine dicke Wolkendecke hindurch auf einem kalten Flughafen landeten. In Kapstadt war Winter, und das war auch deutlich zu merken.
![]() Wir sprachen auch über Herausforderungen, denen Austauschschüler sich manchmal stellen müssen – etwa den Kulturschock und die Frage, wie erkläre ich, dass Deutschland nicht die meiste Zeit des Jahres unter einer dicken Eisdecke verborgen liegt? Sicherheit war auch ein Thema. Zwar ist Südafrika nicht so gefährlich, wie manche denken, aber es ist trotzdem gut, sich an einige Regeln zu halten. Diese werden aber von allen Südafrikanern befolgt, weshalb es irgendwann gar nicht mehr auffällt. Eine meiner Freundinnen kam oft vorbei und fragte, ob ich sie nicht eben zum Shop an der Ecke begleiten wollte – was nicht nur sicherer, sondern auch einfach viel lustiger ist, als alleine zu gehen. Meine Gastfamilie: Ashlene, Anwyn, Denise und Ashley Am Ende der Woche wurden wir auf einem „Braai“ (südafrikanisch für „Grillen“) in die Obhut unserer (Gast-)Familien übergeben. Mit meinen zwei Schwestern Ashlene und Anwyn, meiner Mommy Denise (Krankenschwester) und meinem Daddy Ashley (Autolackierer, Hausbauer und gleichzeitig noch Student an einer Bibelschule) ging es dann auf nach Retreat, einen Vorort Kapstadts. Meine Familie ist „coloured“, was in Südafrika nicht „schwarz“ bedeutet, sondern eher „weder weiß noch schwarz“. In diesem Vorort lebten, abgesehen von mir, eigentlich keine Menschen anderer Hautfarbe. Dies ist noch auf die Trennung aus Apartheid-Zeiten zurückzuführen. Sie herrscht zwar nicht mehr, aber viele Familien leben einfach lieber weiter in den Wohngebieten, in denen sie auch aufgewachsen sind. Natürlich fiel ich da etwas auf, was mir schnell den Spitznamen „Schneewittchen“ einbrachte. Auf der Mädchenschule Mit der ältesten Tochter der Familie, Ashlene, besuchte ich im Herzen Kapstadts eine reine Mädchenschule, die „Good Hope Seminary“. Dies war zu Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, aber ich fühlte mich dort ziemlich schnell sehr, sehr wohl. Ich wurde mit einer unglaublichen Herzlichkeit aufgenommen, die mir im Laufe meines Jahres immer wieder begegnete. Schule ist in Südafrika ein sehr wichtiger Teil des Lebens. Zum einen endet sie erst am Nachmittag, zum anderen habe ich aber auch immer ein viel engeres und herzlicheres Verhältnis zwischen Schüler(inne)n und Lehrern erlebt. Es gibt viele Aktivitäten, die von den Schulen angeboten werden. So war ich zum Beispiel im Volleyball-Team, im Debating-Team, in der Drama-Group, im Französisch-Club, beim Rudern und beim Portfolio Service. Letzteres ist ein Teil des Leadership-Teams, einer Gruppe von gewählten Schülern, die für die Einhaltung der Regeln sorgt und für die Organisation von besonderen Veranstaltungen wie dem Valentinsball, Fundraisern (Spendenaktionen) oder Konzerten zuständig ist. „Hallelujah!“ in der Kirche Mein (Gast-)Vater ist mittlerweile Pastor, was aber nicht der einzige Grund dafür war, dass wir jeden Sonntag in die Kirche gingen. Wie Schule ist auch Religion in Südafrika für viele sehr wichtig. Ob Christen, Muslime, Buddhisten oder Mitglieder von Stammes-Riten, die meisten Südafrikaner sind gläubig und leben ihre Religion auch aus. Dies mitzuerleben hat mir wirklich Spaß gemacht. Unsere Sonntagsgottesdienste waren viel lockerer als in Deutschland: Es wurde gesungen, geklatscht, getanzt und zwischendurch auch mal „Hallelujah!“ gerufen. Auch hier wurde ich mit offenen Armen empfangen und fühlte mich bald wie zu Hause. Meine Familie war zwar nicht so wohlhabend, dass sie auf große Urlaubsreisen durch Südafrika mit mir gehen konnte, aber trotzdem habe ich viel von diesem unglaublich schönen Land gesehen. YFU organisierte im Herbst eine Rundfahrt von Kapstadt über Kimberley nach Johannesburg, Port Elizabeth und über die Garden Route wieder zurück – eine detaillierte Beschreibung würde eindeutig zu lange dauern, aber es war einfach genial! Leben im Township Im Februar lebte ich, durch YFU organisiert, für einige Wochen mit einer Familie in einem Township in Bloemfontein. Dies war ein tolles Erlebnis. Zwar war ich in Kapstadt auch schon in Townships gewesen, um Freundinnen zu besuchen, doch ich hatte nicht gewusst, wie es ist, dort zu leben. Nun lebte ich zwar nicht in einer der „Shacks“ (Wellblech-Hütten), was aus Sicherheitsgründen natürlich nicht möglich ist, aber bei einer seeehr großen Familie in einem ziemlich kleinen Haus. Es war für sie bestimmt eine Anstrengung, mich mit durchzufüttern, doch ihnen war ihr Enthusiasmus deutlich anzumerken. Sie erzählten mir immer wieder, wie sie und ihre Bekannten sich freuen würden, dass auch weiße Jugendliche keine Angst hätten, mit ihnen zu leben, und dass sie Spaß daran hätten, uns ihre Lebensweise zu zeigen. Meine zweite Heimat Dieses Jahr war das schönste meines Lebens. Es war zwar manchmal nicht leicht, aber ich habe das Gefühl, in Südafrika eine zweite Heimat und Familie gefunden zu haben. Es ist ein wunderschönes Land! Durch die Herzlichkeit und Lebensfreude der Südafrikaner werde ich wohl immer wieder kommen müssen, um den Teil meines Herzens zu besuchen, der dort einfach nicht weg will. | ![]() | |||||||
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