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Schweiz "Käse, Kühe und andere Spezialitäten"

Wilke Westphal war 2001/2002 YFU-Austauschschülerin in der französischsprachigen Schweiz

Mitte August 2001 war es endlich soweit. Ich kam auf den Bahnhof Martigny im Kanton Wallis an und wurde von der YFU-Betreuerin und meiner Gastfamilie begrüßt. Meine beiden Gastschwestern waren ungefähr in meinem Alter, aber ich überragte die Familie um einige Zentimeter.

Mein neues Zuhause
Mein neues Zuhause hieß â€žl’aigle“ (der Adler) und lag in dem Dorf Verségères, in einem Tal umgeben von Wiesen, Wälder, Kühen, vereinzelten Häusern und Bergriesen. Die Holzhäuser in der Schweiz nennt man „Chalets“ und sie tragen alle einen individuellen Namen anstatt Hausnummern.

Verségères zählt knapp 300 Einwohner, doch das ist nichts besonderes, denn fast alle Dörfer im Kanton Wallis sind so spärlich besetzt. Dafür reiht sich aber auch Dorf an Dorf.

Zur Schule bin ich in das etwa 25 Kilometer entfernte Martigny gefahren. Um dorthin zu gelangen, nahm ich jeden Morgen zuerst den Bus nach Le Châble, um dann auf den kleinen Zug „St. Bernard“ umzusteigen, der regelmäßig zwischen Martigny und Le Châble verkehrte.

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„Typisch Wallis“
Wallis ist für seine schroffen Bergriesen, seine grünen, sanften Täler und seine wilden Flussläufe und Wasserfälle bekannt, die auch ein wenig die Walliser Mentalität widerspiegeln.

Die Walliser haben eine sehr abwartende Mentalität und kommen nur schwer aus sich heraus. Doch wenn sie sich erst einmal für jemanden geöffnet haben, dann behandeln sie einen auch wie ein langjähriges Familienmitglied.

Auch ich durfte die Erfahrung machen, dass ich mit der Zeit in alles eingebunden wurde und dass die Schweizer wesentlich unkomplizierter sind. Obwohl bei ihnen alles seine Ordnung hat, setzen sie sich niemals unter Stress und ihrer unglaublichen Spontaneität und ihrer Herzlichkeit sind keine Grenzen gesetzt.

Wie oft wurde ich irgendwo hin eingeladen und konnte dort spontan übernachten oder mitessen, ohne auch nur ein zusätzliches Kleidungsstück dabei zu haben, geschweige denn Bettzeug oder fahrbaren Untersatz.

„Abenteuer Schweiz“
Nach anfänglichen Schwierigkeiten mit der Sprache und meinem neuen Tagesablauf lebte ich mich recht schnell ein.

Durch meinen Beitritt im Volleyballverein und dem örtlichen Gesangschor lernte ich viele Menschen unterschiedlicher Alterklassen kennen, die mich der wallisischen und schweizerischen Lebensart näher brachten.

Dazu gehörte auch eine Gruppe von Freunden, die in Begleitung eines katholischen Priesters Wandertouren in das weitläufige Walliser Gebirge unternahmen.

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Über Karneval wanderten wir sogar mit Skiern und Rucksack bepackt zum Kloster St. Bernard herauf, wo damals die bekannten Bernhardiner-Rettungshunde ausgebildet wurden. Im Kloster hatten wir die Gelegenheit, am alltäglichen Tagesablauf teilzunehmen und weiter bis auf den 3734 Meter hohen Gipfel des Vélan zu wandern. Gegenüber vom Vélan erblickten wir in der Abenddämmerung den Mont Blanc.

Doch nicht nur durch die wachsenden Bekanntschaften mit Schweizern lebte ich mich immer mehr ein, sondern auch durch die regelmäßigen Treffen von YFU Schweiz. Dort hatte ich Gelegenheit, mit anderen Austauschschülern (aus etwa 15 verschiedenen Nationen) über Probleme, Erlebnisse und Pläne zu diskutieren. Die YFU-Teamer versuchten dabei immer, uns noch ein bisschen mehr für unser Jahr zu motivieren, indem sie sich immer wieder neue Rollenspiele oder Ausflüge für uns ausdachten.

Schönste Erlebnisse
Meiner Meinung nach ist die Schweiz das ideale Land für Abenteurer und Reiselustige, denn zu erschwinglichen Preisen kann man per Bus oder Bahn fast überall hinkommen. Ich besuchte zum Beispiel oft Schweizer Freunde, die ich während der YFU-Treffen kennen gelernt hatte, unternahm auf eigene Faust ausgedehnte Spaziergänge in der naturnahen Umgebung oder fuhr einfach mal nach Genf zur UNO.

Bei einem Aufenthalt im Kanton Solothurn nahm mich ein Freund zu einer unterirdischen Berghöhlenführung mit. Obwohl ich nach dieser Tour überall blaue Flecken vom Klettern und Kriechen hatte, erinnere ich mich noch heute an die faszinierende Welt der bizarr geformten Gesteinsblöcke zurück.

Auch das von YFU angeregte Snow- und Skicamp in Meiringen war ein richtiger Spaß für mich, besonders wenn es darum ging, die Teamer gebürtig mit Schnee einzuseifen. Dadurch, dass jedes Schweizer Kanton einen individuellen Reiz besitzt, wird es niemals langweilig, noch mehr von der Vielseitigkeit zu entdecken.

Was man auf keinen Fall verpassen darf, ist der wallisische Kuhkampf, wo zwei Kühe gegeneinander antreten, um ihr jeweiliges Territorium der anderen Kuh gegenüber zu verteidigen.

Doch das wahrscheinlich schönste Erlebnis für mich ist die Erfahrung, dass ich trotz einer anderen Mentalität eine zweite Heimat in der Schweiz gefunden habe, in der ich jederzeit herzlich willkommen sein werde.

Karte Schweiz
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