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Schweden "Einmal Hering mit Marmelade!"

Katharina Bergmann war 2002/2003 YFU-Austauschschülerin in Schweden

Schweden? Äh... Elche, Ikea, blonde Mädchen, Volvo und H&M... Noch was? Genau das wollte ich herausbekommen, als ich mich am 6. August 2002 in den Flieger setzte.

Vor mir lag ein Jahr voller Überraschungen, neuer Erfahrungen und Erlebnissen. Und ja – es hat sich gelohnt, denn jetzt weiß ich, dass Schweden wesentlich mehr zu bieten hat!

Eingesperrt in der Toilette
Ich war nie zuvor in Schweden gewesen und wurde daher von den Unterschieden oft überrascht. Es fing damit an, dass ich nicht mehr aus der Flughafentoilette herauskam, bis ich ausprobierte, das Schloss anders herum zu drehen.

Auch habe ich mich ein halbes Jahr gewundert, warum man mich an der Bushaltestelle so grimmig ansieht. Lösung des Problems: Man stellt sich an, nur ist dies manchmal nicht ersichtlich, da die Menschen in einem Meter Abstand voneinander stehen.

Man wünscht nicht Gesundheit, wenn jemand niest, man redet die Lehrer mit dem Vornamen an, man bedankt sich jedes Mal fürs Essen... Es gab so viele Dinge, auf die man achten musste.

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Kräftskiva in Malmö
Bis sich eine richtige Gastfamilie gefunden hatte, habe ich bei einer Übergangsfamilie in Malmö gewohnt. Mit ihr war ich in Kopenhagen, im Sommerhaus an der Südküste, bei einer Hochzeit und bei der Jagd. Mein Gastvater war begeisterter Jäger – wie viele Schweden.

Außerdem durfte ich gleich am Anfang ein richtiges „Kräftskiva“ erleben, ein traditionelles Krebsessen im August. Dabei trugen alle bunte Hüte, tranken sehr viel und sangen gegen Ende des Abends recht fröhliche Lieder...

Schwedisches Essen ist sehr speziell, es gibt Bonbons mit salziger Füllung, gebratenen Hering mit Marmelade oder vergorenen Fisch. Vieles ist gewöhnungsbedürftig – aber es lohnt sich, einmal zu probieren.

Leben auf dem Bauernhof
Im September zog ich in die Nähe von Norrtälje, ein kleiner Ort 70 Kilometer nördlich von Stockholm. Hier erwartete mich das Leben auf dem Bauernhof – ein großer Gegensatz zum Stadtleben in Malmö. Zur Schule musste ich etwa eine halbe Stunde mit dem Bus fahren und das nächste Dorf war kilometerweit entfernt.

Am Anfang war es schwer, Anschluss zu finden, doch je besser mein Schwedisch wurde, desto einfacher ging es. Im Dezember durfte ich an einer Theatervorführung meiner Klasse und am Lucia-Umzug teilnehmen. Dieser Zug der Lichterkönigin findet am 13. Dezember statt. Wir sangen und verteilten Gebäck in der Schule.

Hinzu kamen wöchentliche Konzerte, für die die Schüler des musikästhetischen Programms, welches ich besuchte, verantwortlich waren. (Schwedische Gymnasien sind in verschiedene Programme eingeteilt, die sich auf unterschiedliche Fachbereiche spezialisieren.)

Weihnachten verbrachte ich in Småland mit traditionellem Weihnachtsbuffet, Tanz um den Weihnachtsbaum und viel Schnee.

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Das zweite Halbjahr
...ging viel zu schnell vorbei. Jetzt, nachdem ich die Sprache konnte und mich eingelebt hatte, begann ich, meine Freizeit aktiv zu gestalten. Ich organisierte mir Gitarrenunterricht, Tanz- und Gesangskurse und baute mit meiner Gastschwester zusammen eine Nyckelharpa (Tastenfiedel), ein altes schwedisches Musikinstrument.

Eine der schönsten Erinnerungen ist mein Geburtstag, als meine Sportlehrerin meiner ehemaligen Klasse unterrichtsfrei gab und sie zu sich nach Hause einlud, um mit mir zu feiern.

Ich wusste davon nichts und bekam Tränen in den Augen, als ich in der Tür stand und alle für mich sangen.

Zwei Wochen vor meiner Abreise feierten wir Midsommer, der zwar etwas verregnet ausfiel, aber trotzdem wunderschön war. Überraschend war, dass selbst Erwachsene um die Maistange tanzten, um den längsten Tag im Jahr zu feiern.

Abschiedsfest
„Was – du fährst schon heim?“, fragten meine Mitschüler, als ich sie zu einem kleinen Abschiedsfest zu mir einlud. Ich hatte ein wunderbares Jahr hinter mir, mit schönen, aber auch schwierigen Momenten.

Was es so besonders macht? Vielleicht ist es, dass man sich selbst etwas aufbaut. Am Anfang hat man nichts, keine Freunde, kann die Sprache nicht, findet sich nicht zurecht. Dann hat man plötzlich eine zweite Familie, eine zweite Heimat und viele nette Menschen um sich herum. Das ist nicht immer leicht, aber eine wunderbare Erfahrung.

Karte Schweden
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