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"Norwegen? Da gibt’s ja nur Elche und Wald…"

Carmen Baude war 2007/2008 YFU-Austauschschülerin in Norwegen.

Die meisten Leute waren verwundert, erstaunt, oft auch verständnislos, warum ich mich für ein total unbekanntes Land entschied, wo ich noch nicht einmal ein erstes Wort der Sprache konnte. Die meisten wussten noch nicht einmal, dass man dort Norwegisch spricht.

Bei der Abreise hatte ich gemischte Gefühle, einerseits war ich traurig, meine eigene Familie für ein Jahr zu verlassen, andererseits natürlich total gespannt, endlich nach Norwegen zu kommen. Dort wurde ich auch am Flughafen gleich von YFU empfangen und nach drei Tagen Ankunftstagung lernte ich endlich auch meine Gastfamilie kennen. Alle waren total nett und nahmen mich sofort als Tochter bzw. Schwester in die Familie auf. Ich war ziemlich erleichtert, dass ich so eine nette Gastfamilie hatte.

NOR_Gastschwestern_Carmen


Auch die ersten kleineren und größeren kulturellen Unterschiede ließen nicht lange auf sich warten. So ist mir sofort aufgefallen, das die Leute in Norwegen keine Taschentücher verwenden („Das machen hier nur alte Leute, aber vielleicht gibt’s sogar Papiertaschentücher im Geschäft, wenn du unbedingt welche willst, hab zwar noch nie welche gesehen,…“). Ein kultureller Unterschied, den ich wirklich schätzen gelernt habe ist die schier unerschütterliche Ruhe der Norweger. Ich habe während meinem Jahr in Norwegen wirklich keinen einzigen gestressten Norweger erlebt und mit der Zeit bemerkte ich auch an mir selbst, das ich anfing so ziemlich alles viel gelassener zu nehmen. Ich denke, dass in Norwegen auch die Landschaft, der Wald und die Seen ihre Spuren bei den Menschen hinterlässt.

In der Schule waren die meisten Mitschüler am Anfang etwas schüchtern und trauten sich nicht, mich anzusprechen oder Englisch zu reden, aus Angst etwas falsch zu sagen. Auch diese Schüchternheit trug noch einmal mehr zu meiner Motivation bei, wirklich möglichst schnell Norwegisch zu lernen. Obwohl ich denke, dass ich eher nicht sprachbegabt bin, habe ich mich doch recht schnell in die Sprache eingefunden. Mit den besseren Sprachkenntnisse knüpfte ich auch in der Schule sehr schnell Freundschaften und bald wurde ich auch in eine der Cliquen aufgenommen, mit der ich dann auch das ganze Jahr lang ziemlich viel Zeit verbracht habe.

NOR_Sondre Fange


Mit der Zeit wurde ich auch in der Schule immer besser, wobei mich meine Lehrer sehr unterstützten. Auch das Verhältnis zu den Lehrern ist in Norwegen ganz anders als bei uns in Österreich: Die Lehrer werden von den Schülern geduzt und beim Vornamen gerufen. Das tolle Klima mit den Lehrern war auch einer der Gründe, warum ich in Norwegen total gerne in die Schule gegangen bin. Technisch gesehen ist die Schule in meinem Gastland recht fortschrittlich, denn am Schulanfang hat jeder von uns einen Laptop erhalten, denn er das ganze Jahr über benutzen und auch mit nach Hause nehmen durfte. In den Pausen gab es gratis Obst für alle Schüler.

Langsam neigte das Jahr sich seinem Ende zu und ich konnte kaum fassen, dass es schon vorbei war. Meine drei Gastbrüder und mein Gastvater begleiteten mich zum Flughafen und ich war total traurig, als ich dann das Flugzeug bestieg.

Jetzt, mehr als ein Jahr nach meiner Rückkehr, habe ich immer noch Kontakt und ich habe auch alle im Sommer wieder für 1,5 Monate besucht.

Karte Norwegen
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